Netzneutralität – bitte was?

Die Netzneutralität ist ja aktuell eines der aktivsten Themen, die eine noch kleine Minderheit sogenannter „Digitaler Menschen“ diskutiert. Stein des Anstosses ist ein Papier welches Google und Verizon in Umlauf gebracht haben in dem eben diese „Digitalen Menschen“ die Netzneutralität gefährdet sehen.

Netzneutralität – was soll das sein? Es gibt dazu diverse Quellen im Internet, die sich bemühen zu definieren was das sein soll. Das mit den Definitionen ist immer so eine Sache. Sind sie einmal geschrieben kommen viele Menschen auf die Idee, dass es tatsächlich so etwas geben würde bzw. gegeben hat. Grundsätzlich soll Netzneutralität wohl so was sein, dass alle Datenpakete, egal was diese transportieren immer mit gleichen Rechten und schnellst möglich bewegt werden. Eine in meinen Augen romantische Vorstellung eines sozialistischen Internets, die es nie gab!

Ich hole für die Neuleser und das dürften grad so ziemlich jeden von euch treffen 😉 mal etwas weiter aus:

Damals, ja, vor ganz langer Zeit, in meiner Wahrnehmung so um 1992/93 das erste mal aufgetaucht, gab es BTX von der Post, das FiDoNet und dann um die Zeit rum in Deutschland EuNet und Xlink. Zu dieser Zeit hatte ich eine Firma, die zum einen so was wie Webseiten baute und zum anderen ab 1994/95 als POP (Point of Presence) für Xlink Internetverbindungen in Form von 256/512/2048 kBit Standleitungen sowie ISDN-Einwahl zu unserem Standort zu Verfügung stellte. Schon damals freuten wir uns stolzer Besitzer eines eigenen IP-Adressraumes zu sein. Und bereits damals fingen damit auch die ersten Probleme an. Nur IP-Adressen sein eigen zu nennen ist etwas tolles aber ohne, dass jemand diese IP-Adressen auch routet, also Daten aus dem eigenen Netz in ein anderes transportiert, sind die relativ wenig wert.

Bereits damals gab es das Problem, dass wir bemüht waren, allen Kunden die gebuchte Bandbreite zur Verfügung zu stellen und bereits damals hatten wir Mittel und Wege dafür zu sorgen, dass die Daten für alle gleich schnell bzw. gleich langsam transportiert wurden oder für einige schneller bzw. langsamer. Dazu gab es verschiedenste Möglichkeiten, die meist auch offen mit dem Kunden diskutiert und tarifiert wurden. Im Laufe der Jahre, nicht zuletzt durch massiven Ausbau der Kapazitäten gab es dieses Problem nicht mehr wirklich. Nur noch bei den ganz großen Backbonebetreibern wird bis heute über Dinge wir Throtteling, Priority Routing etc. diskutiert. Der Internetkonsument erhält mehr oder weniger durch Zufall und durch das komplexe Zusammenspiel vieler Provider relativ rasch seine Daten. Wie schnell bestimmt der Kunde durch Buchung bestimmter Bandbreiten, die ihm NUR bis zum nächsten Übergabepunkt (bei Privatkunden) ansonsten nur innerhalb des vom jeweiligen Provider beherrschten Netzes (bei Geschäftskunden) mehr oder weniger garantiert werden.

Korrigiert mich aber meine persönliche Erfahrung ist, dass man im Internet „nur“ die oben erwähnte Bandbreite bis zum nächsten Übergabepunkt (Beispiel DSLAM der Telekom bei DSL) oder aber innerhalb eines Providernetzes (Beispiel für ein MLSP VPN) buchen kann. Was darüber hinaus passiert scheinen etliche der Diskutanten von Seiten der digitalen, selbsternannten Erstmenschen nicht zu wissen und wollen es auch gar nicht hören, wie ich selbst durch Löschung meiner Kommentare in einigen Blogs feststellen musste. Frei nach dem Motto: „Danke, ich habe eine vorgefertigte Meinung, verwirren sie mich nicht mit Tatsachen und beschmutzen sie mit Ihren gefährlichen Äußerungen nicht meinen Blog“.

Netzneutralität ist also die romantische Vorstellung einiger Netzbewohner, die befürchten, Sie könnten Ihre geliebten Seiten nicht mehr unters Volk streuen oder eben nicht mehr konsumieren. Und wenn dann eben zu viel langsameren Geschwindigkeiten als andere Angebote, die darüber hinaus auch noch kostenpflichtig werden könnten. Nun ja, das ist heute schon so, war schon immer so und wird auch immer so sein. Beispiele gefällig?!

Nehmen wir an ich will ein privates Blog betreiben und habe kein Budget. Dann buche ich mir kostenfreien Webspace irgendwo auf diesem Planeten bei irgendeinem werbefinanzierten Massenprovider, der in der Regel dafür sorgt, dass es irgendwie läuft aber in der Regel auch dadurch glänzt, dass die Seiten seiner überfüllten Server eher langsam ausgeliefert werden. Sollte ich mit dem Blog extrem erfolgreich sein, kann ich zuschauen, wie anstelle meiner Website eine Fehlermeldung ausgeliefert wird. Habe ich nun plötzlich etwas Geld, ziehe ich meine Seite um zu einem anderen Provider, wenn ich genug Geld habe zu einem professionellen Provider um, der über mehr als eine Breitbandverbindung zu mehr als einem großen Provider verfügt. Wenn ich nun aber meine Website mit zuviel bandbreitenlastigen Inhalten überfrachte, könnten sich sehr schnell die Kunden beschweren, die nur über ein 1000er DSL verfügen. Diese müssten denn ebenfalls aufrüsten. Rüsten diese aber auf, reicht mir vielleicht nichtmehr das Angebot des Servers oder die Geschwindigkeit der Anbindung meines Providers. Na? Merkt Ihr schon was?

Nun, was haben Google und Verizon eigentlich vor? Unter anderem, dass man für bestimmte Inhalte/Dienste Geld bezahlt um die Qualität der selbigen zu erhöhen bzw. diese überhaupt erst ermöglichen. Ich wäre der erste, der bezahlen würde, garantierte mir ein Provider, ich würde für eine neue innovative Anwendung im Bereich interaktivem Fernsehens gleich bleibende Latenzen vom Server bis hin zum Kunden buchen können. Das Google und Verizon in Ihrer Vereinbarung (leider) auch das Sperren/Blocken von Ihrer Meinung nach illegalen Traffik eingebaut haben, DAS sollten wir mal diskutieren. Das scheint aber im Moment nicht möglich. Statt dessen wird von den alles verstehenden Digitalen Meinungsfürsten übelster Populismus betrieben um… ja, warum eigentlich? Interessanter als die Bildzeitung zu wirken? Mehr Zugriffe für Ihre Seiten zu kriegen? Wegen flattr? (ich muss da immer noch an Blähungen denken 😀 )

Jeder, der mir nicht glaubt, dass schon jetzt der Traffik zwischen Providern nicht ungehindert fliesst, dem sei empfohlen sich einen Switchport beim De-Cix zu buchen (Kosten liegen glaube ich bei 150 €/Monat) und dann mal mit den anderen, dort angeschlossenen Providern zu reden, mit wem er denn seine Daten peeren könnte. Wundert euch nicht, wenn die das nur gegen Zahlung nicht unwesentlicher Beiträge machen werden und dann auch nicht zu den Geschwindigkeiten die sie theoretisch könnten sondern zu denen, die Ihr zu zahlen bereit seid.

Google/Verizon hätten uns eigentlich einen Bärendienst erweisen können. Wir wären zum ersten mal in der Lage gewesen, einen Provider, der eine Latenz- oder Dienstqualitätvereinbarung nicht einhält haftbar zu machen. So müssen wir immer daran glauben, dass unsere Pakete irgendwann mal unverändert dort ankommen, wo wir sie haben wollen und somit werden wir noch lange auf neue Innovative Lösungen warten müssen bei denen zum Beispiel der zeitgerechte Transport von Datenpaketen unerlässlich ist (Beispiel: VOIP, Videokonferenzen, zeitkritische Überwachungen/Steuerungen…)

Ich könnte noch mal seitenweise schreiben, befürchte aber das mir die meisten schon bis hier nicht zugelesen haben 😉

Auf zu neuen Ufern….

Bisher habe ich es vermieden einen eigenen Blog zu pflegen. Lange Zeit war ich als reiner Kommentator auf andere Blogs unterwegs. Nun ist es aber so, dass einige Blogfürsten meinen keine andere Meinung als die Ihnen genehme zulassen zu wollen. Wo früher teils sachlich/unsachlich/pointiert diskutiert/gestritten wurde verhalten sich die Blogfürsten schon längst so, wie man es sonst nur von der etablierten Presse gewohnt ist. Kommentare, besser Leserbriefe werden selektiv behandelt. Folgekommentare in einer Diskussion gelöscht, verfälscht, unvollständig zitiert. Damit haben einige der etablierten Altblogger einen Weg eingeschlagen den ich für mich persönlich weder akzeptieren noch tolerieren werde.

Daher ist es nun so weit; dies ist mein erster rein privater Blog zu aktuellen Themen, die uns/euch/alle da draussen so bewegen. Wobei, es müsste eher da drinnen heißen, denn einige Blogger scheinen sich soweit digitalisiert zu haben, dass diese offenbar gedanklich nur noch den Horizont erreichen, den sie sich durch Ihre eigenen Themen/Medien selbst vorgeben. Alles was anders ist, ist gefährlich. Darf, wie oben bereits erwähnt, u.U. nicht mal Ihre Bloginsel beschmutzen.

Nun denn, dann werde ich in Zukunft eben nicht mehr bei den sogenannten, selbsternannten Alphadigitalmenschbloggern kommentieren sondern hier. Und lasst euch gesagt sein, spätestens Google wird die Leute auf meinen und euren Blog führen.